PM 29.4.2014: Essener Friedensforum und DFG/VK Essen zu Thompson-Konzert

Presse – Erklärung – Essen, im April 2014

Dem Hass keine Chance
Presse-Erklärung des Essener Friedensforums und der DFG/VK Essen zum
geplanten Konzert der kroatischen Rockgruppe ‚Thompson‘ in der Eissporthalle
am Westbahnhof in Essen Frohnhausen

Wir sind wegen des geplanten Auftritts der Gruppe ‚Thompson‘ in Essen in der ersten Maiwoche in der Eissporthalle besorgt:

Marko Perkovic, der die Gruppe nach der Maschinengewehrmarke ‚Thompson‘ benennt, soll laut Hallenträger Anfang Mai in der Essener Eissporthalle auftreten.

Marko Perkovic ist während des Kroatien-Krieges mit extrem nationalistischen Texten bekannt geworden. 2003 wurde gegen ihn, der mit Begriffen wie „Sieg Heil“ auftritt wegen des Verdachts der Volksverhetzung ermittelt. Er ist ein Star der rechtsextremistischen Szene und erhält immer wieder Beifallsstürme mit erhobenem rechtem Arm, dem Gruß der Nazis.

Er hat das Auschwitz des Balkan, das KZ Jasenovac wiederholt anerkennend besungen. Ein Auftritt in Sarajewo wurde nach Protesten verboten. Ein Hetzer für Gewalt und antisemitischer Rassist („Söhne Judas haben unsere Träume verkauft“) darf in der Kulturhauptstadt Europas 2010 kein Forum erhalten!

Im Grundgesetz ist die Freiheit der Kunst durch Art. 1 der Menschenwürde und das Verbot von Volksverhetzung begrenzt. Wir fordern vom Veranstalter und Aufsichtsrat der Eissporthalle die Absetzung des Konzerts.

Wir wollen das Konzert auch zum Anlass nehmen, daran zu erinnern, dass durch die Kriegsereignisse in den 1990er Jahren im ehemaligen Jugoslawien viele bisher unverarbeitete Kriegsverbrechen stattgefunden haben.

Der Hass der verschiedenen Volksgruppen aufeinander ist immer noch groß, und auch Deutschland hat mit seiner Beteiligung an Bombenangriffen außerhalb des Völkerrechts daran Anteil.

Hass lässt sich nur durch Wahrheit und Anerkennung aller Verbrechen aus der Welt schaffen, nicht aber durch Verdrängung, neue Sündenbock-Hetze und auch nicht durch die Beschönigung von Gräueltaten. Dadurch wird die Gewaltspirale nur weiter geschürt.

Wir fordern das Verbot des Konzerts, und treten für Wahrheit und Aussöhnung ein.

Zur Kenntnisnahme auch an den
OB d. Stadt Essen Herrn Paß,
d. Vorsitzeden d. Sportamtes + Sportausschusses
sowie an das Polizeipräsidium Essen

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