Friedensnobelpreise

Friedensnobelpreisträgerinnen

Bertha von Suttner, 1905, Österreich

1889 erscheint ihr Roman: „Die Waffen nieder“. Mit diesem Buch revolutioniert sie die Idee der alten Ordnung, die den Krieg als unvermeidbares Phänomen in der Menschheitsgeschichte annimmt.

Bertha von Suttner leistet auf unterschiedlichen Ebenen Widerstand gegen Krieg, Rassismus, Antisemitismus. Bestandteil einer friedlichen Gesellschaft ist für sie unbedingt die Emanzipation der Frauen.

Sie gründet mit anderen zusammen die Österreichische und Deutsche Friedensgesellschaft. Als einzige Frau nimmt sie an der ersten Weltfriedenkonferenz 1899 in Den Haag teil. Sie setzt sich für den Internationalen Gerichtshof ein, der bei Streitigkeiten zwischen Ländern als Schiedsgericht fungieren soll.

Jane Addams 1931, USA

starke Empfindung für die Ungerechtigkeit des Lebens treibt sie an. Sie, die aus wohlhabenden Haus kommt, sieht das Elend und die Not der Menschen zur Zeit der Industrialisierung. Sie wird Sozialarbeiterin, eröffnet Zentren in den Armenvierteln Chicagos, in denen Menschen Hilfe finden. Sie erkennt im Krieg Ursachen für menschliches Leid und die Verelendung, wird zur glühenden Pazifistin und Schriftstellerin: „Wahre Gerechtigkeit muß aus geschulter Einsicht hervorgehen, aus vertieftem Mitgefühl mit dem Leiden der einzelnen Menschen.“

1915 leitet sie den Frauenfriedenskongreß in Den Haag. Hier kommen Frauen aus allen am 1. Weltkrieg beteiligten Ländern zusammen, um Vorschläge zur Beendigung dieses Krieges zu entwickeln. 1919 wird sie zur Präsidentin der bis heute arbeitenden Frauenfriedensorganisation WILPF – Women’s International League for Peace and Freedom gewählt.

Emily Greene Balch 1946, USA

studiert in Paris, Berlin und in den USA. Sie ist, wie ihre Freundin Jane Addams, schockiert über die Armut macht früh soziologische Studien über die Lage der arbeitenden Menschen. Sie wird Professorin, mischt sich aber in Fragen der Internationalen Politik ein, die akademische Arbeit genügt ihr nicht. Ihr ganzes Leben lang versucht sie, Brücken zwischen verfeindeten Nationen zu schlagen, dazu beizutragen, die Gräben zwischen den Völkern zu überwinden. Sie wird Sozialistin, verliert ihren Arbeit als Professorin, weil sie sich öffentlich zum Pazifismus bekennt.

„Krieg wirklich aus unserem System herauszuschneiden, bedeutet jedoch eine enorme Revolution. Krieg kann nicht umgestaltet, er kann nur abgeschafft und ersetzt werden, und zwar durch effiziente Methoden, mit denen wir unsere Sicherheit selbst gestalten.“

Mairied Corrigan, Betty Williams, 1976, Nord Irland,

sind 1976 die Initiatorinnen der „Peace People“ in Nordirland. Betty Williams ist Zeugein des gawaltsamen Todes dreier Kinder und eines jungen Republikaners am 10.August 1976 in den Straßen von Belfast. Es ist die Zeit der Eskalation der Gewalt. Die katholische Betty Williams und die protestantische Mairied Corrigan tun sich zusammen und organisieren Rallyes, große Friedensmärsche von Protestanten und Katholiken gegen die Gewalt.

„Wir stehen ein für das Leben und die Schöpfung und sind gegen Krieg und Zerstörung. Die Gewalt muß ein Ende haben. … Niemand zwingt uns, in den Krieg zu ziehen, aber es scheint so, dass es mehr Mut erfordert, nein zu sagen, als ja. Vielleicht haben wir Frauen viel zu lange die Idee unterstützt, dass es tapfer und männlich ist, in den krieg zu ziehen, der oft damit begründet wird, Frauen und Kinder zu verteidigen“

Mutter Teresa 1979, Albanien,

ist eine der bekanntesten Frauen des zwanzigsten Jahrhunderts. Sie gründet, entsetzt von der grauenvollen Armut in den Slums von Kalkutta den Orden: „Missionarinnen der Nächstenliebe“, der heute über fünfhundert Niederlassungen in mehr als hundert Ländern hat. Die Frauen und Männer des ordens sorgen sich um die Ausgestoßenen, die Leprakranken, die Alten, die Alkoholabhängigen, verlassene Kinder, Flüchtlinge, Heimatlose. Die Mutter gibt ihr das Lebensmotto: „Laß niemanden zu dir kommen, der dich nicht besser und glücklicher wieder verläßt“. „Heute, am 10. Dezember 1979, geschieht im illustren Saal in Oslo etwas noch nie Dagewesenes. Eine Frau in Sari und Strickjacke, barfuß in ausgetretenen Sandalen, betritt den Raum. … „Ich nehme den Preis an, im Namen der Armen, da ich glaube, dass das Komitee mit der Verleihung an mich die Existenz der Armen anerkannt hat“

Alva Myrdal 1982, Schweden,

ist eine beruflich und politisch sehr erfolgreiche Frau. Sie wird die erste Abrüstungsministerin der Welt, eine der ersten Frauen, die Botschafterin eines Landes werden. Sie wird Schwedens leitende Vertreterin bei der UNO und UNESCO und gründet mit anderen zusammen eines der renomiertesten Friedensforschungsinstitute der Welt: SIPRI – Swedish International Peace Research Institute. Zusammen mit ihrem Mann, der den Nobelpreis für Wirtschaft erhält, entwickelt sie wichtige Teile des Schwedischen Sozialstaatsmodells. Vor allem engegiert sie sich gegen Krieg und die atomare Bedrohung.

Aung San Suu Kyi, 1991, Birma,

ist zwei Jahre alt, als ihr Vater, der rechtmäßige Führer Birmas, Aung San, ermordet wird. Eine gnadenlose Militärregierung übernimmt das Land. „Innerhalb eines Systems, das die Existenz selbst der fundamentalsten Menschrechte leugnet, ist Furcht bald an der Tagesordnung, Furcht vor Inhaftierung, Folter, Tod, vor dem Verlust der Freunde, der Familie, des Wohlstandes oder des Lebensunterhaltes, vor Armut, Isolation, Versagen.“

Ende der achtziger Jahre rebellieren StudentInnen und buddhistische Mönche, Aung San Suu Kyi schließt sich ihnen an, wird zur Anführerin der Nationalen Liga für Demokratie, die 1990 einen erdrutschartigen Sieg erlebt. Die Generäle aber lassen die demokratische Wahl nicht gelten, Aung San Suu Kyi wird verhaftet, später unter Hausarrest gestellt. In ihren Widerstandsformen orientiert sie sich an den gewaltfreien Prinzipien von Gandhi.

Rigoberta Menchu Tum, 1992, Guatemala,

ist die Tochter einer armen Indigena Bauerfamilie aus Guatemala. Sie wächst in der Tradition der Quichem Nation auf, die in der kulturellen Tradition der Maya steht. Guatemala wird, wie nahezu ganz Mittelamerika, von einer Militärdiktatur unterdrückt. Besonders heftig sind die Kämpfe in den achtziger Jahren. Rigoberta Menchu Tum ist eine der Anführerinnen des Widerstandes der indigenen Bevölkerung gegen die Diktatur. 1981 war sie gezwungen, das Land zu verlassen und beteiligte sich von Mexiko aus an der Organisierung der Bauernaufstände. Sie ist eine der Initiatorinnen der Vereinigten Opposition in Guatemala und aktiv in der Frauenrechtsbewegung.

Mit ihrer Arbeit informiert sie die Welt über den Kampf des Volkes der Maya und wird weltweit zur bekannten Vertreterin für die Rechte der indigenen Völker und für ethnisch-kulturelle Versöhnung.

Sie erhält den Friedensnobelpreis im Jahre 1992.

Shirin Ebadi, 1993 Iran,

erhält als erste Moslemin den Friedensnobelpreis. 1974 wird sie als erste Frau des Iran zur Richterin ernannt. 1979 übernehmen die Ayatollahs die Macht. Den Frauen wird das Richteramt wieder abgenommen, sie seien zu emotional und irrational, heißt es. Shirin Ebadi läßt sich nicht entmutigen, beginnt verstärkt den Kampf um die Rechte von Frauen, Kindern und politischen Gefangenen. 5 Jahre dauert es, bis sie die Zulassung zur Anwältin erhält. Sie vertritt zu Unrecht beschuldigte Menschen, deckt politische Skandale auf und kommt selber ins Gefängnis. In ihrer Vorstellung ist „der Islam interpretationsfähig, ein Glaube der Gerechtigkeit und Gleichberech-tigung. Es ist die herrschende patriarchalische Kultur, die Gleichbe-rechtigung von Frauen und Männern verhindert. Der Islam ist nur ein Vorwand, der, richtig interpretiert, ein starker Befürworter der Menschenrechte sein kann.“

Jody Williams, 1997, USA

repräsentiert die weltweite Bewegung gegen die Landminen. Etwa 120 Millionen Landminen bedrohen Menschen in vielen Ländern. Es gibt Länder, in denen mehr Landminen im Boden lagern, als das Land EinwohnerInnen hat. In jedem Jahr werden etwa 25.000 Menschen durch Landminen getötet, eine weit größere Anzahl ernsthaft verwundet und verkrüppelt. 90% von ihnen sind Zivilbevölkerung.

Die Kampagne gegen Landminen zeigt auch die wachsende Bedeutung von Nichtregierungsorganisationen. Es sind solche Gruppen, die sich um die Ächtung der Landminen bemüht haben.

„Die Internationale Kampagne hat einen Prozeß in Gang gesetzt, der innerhalb weniger Jahre die Vision einer Ächtung von Antipersonenminen zur greifbaren Realität werden ließ.“

Wangari Mathaai, 2004, Kenia

ist die erste Afrikanerin, die den Friedensnobelpreis erhält. Die Waffe, die heute die meisten Menschen tötet, ist die, die Afrika auch am heftigsten bedroht: Der Hunger! In den letzten 50 Jahren ist die Hälfte der afrikanischen Wälder verschwunden. Der Wald aber ist eine der Voraussetzungen für eine Landwirtschaft, die die Menschen ernähren kann. 1978 beginnt Wangari Mathaai mit der Kampagne: Green Belt Movement. Die Bewegung hat sich die Wieder-aufforstung Afrikas zum Ziel gesetzt und bis heute viele Millionen Bäume gepflanzt. Wangari Mathaai ist unermüdlich in ihren Bemühungen um Aufklärung über die ökologischen Zusammenhänge, über die Kreisläufe von Wasser, Klima, Landwirtschaft, Ernährung.

Sie hat viele Kämpfe bestehen müssen, wurde ins Gefängnis geworfen. Ihr strahlender Optimismus aber ist ungebrochen. Heute ist sie stellvertretende Landwirtschaftsministerin ihres Landes Kenia.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.